Miranda Kaloudis

Fast wie Leder: Portemonnaies aus Ananas-Blätter

Erstellt: 05.10.2017
Veröffentlicht in: Menschen

Die Designerin Miranda Kaloudis sehnte sich nach einer attraktiven Tasche, die sie durch den Tag begleitet und sich einfach vergrössern oder verkleinern lässt. Und hat «Pan» entworfen. Schlicht und schön.

Schlicht und schön sind auch die Portemonnaies, die man unter der Leitung von Miranda Kaloudis am 28. Oktober im Macherei-Workshop in der Europaallee selber falten kann.

Der gebürtigen Griechin war schon als Kind klar, dass sie einmal kreativ arbeiten würde. Als Teenie begann sie sich für Mode zu interessieren, «es hat mich fasziniert, dass man damit seinen Ausdruck lenken kann.» Sie hat in Basel Mode studiert «und wusste bald, dass ich nicht für ein Modehaus, sondern unabhängig arbeiten will.»

Dark Fashion.
Ab 2013 hat sie Kleider für ihr Label «MDK» designt - die Buchstaben sind ihre Initialen: Miranda Doris Kaloudis. Später kamen Taschen dazu. «Dann verlangte der Markt nach Accessoires, das Interesse wurde immer grösser. Da bin ich auf diesen Zug aufgesprungen». Sie entwirft schlichte, minimalistische Produkte, auch in milden Farben, doch zumeist sind sie dunkel, schwarz: «Mein Herz schlägt für düstere Inszenierungen». Ihr modisches Daheim ist die Dark Fashion: geradlinige zeitlose und schwarze Mode, oft oversized. Dark Fashion ist von Einflüssen aus Asien geprägt, zum Beispiel vom Designer Yohji Yamamoto.

Eine Tasche - sechs Varianten.
«Eine Tasche ist gut, wenn ihre Qualität über die Jahre gut bleibt oder sie durch die Nutzung noch schöner wird. Und ihre usability ist wichtig.» Mit ihrem Bestseller «Pan» hat sie vor allem letzterem Tribut gezollt. Man kann die Tasche auf sechs Arten tragen - als Rucksack, Shopper oder Umhängetasche - und jeden dieser Typen kann man durch einfaches Falten und Verschiebung der Träger in klein oder gross haben. Weekender, Umhängetaschen, Stifteetui, Brillenetui - Miranda hat viele Ideen. 2015 hat sie in Bosnien und Herzegowina eine Ledermanufaktur gefunden, die ihre Produkte näht. «Das Leder beziehe ich von Gerbereien in Italien. Es ist von Tieren, die ganz verwertet und nicht nur für das Leder geschlachtet werden.»

Ananas statt Leder.
Leder ist Mirandas erklärtes Lieblingsmaterial. «Es hat eine natürliche Struktur. Man kann es aber auch technisch behandeln, zum Beispiel beschichten.» Im Leder-Portemonnaie-Workshop am 28. Oktober bietet sie verschiedene Varianten an: von schwarz bis bunt, von matt bis glänzend, Wildleder oder Leder mit Wachsbeschichtung. Und - «Leder» aus Ananas, für Leute, die nicht mit Leder von Tieren arbeiten wollen. «Pinatex» heisst dieses neue Material, es besteht aus den Fasern von Ananas-Blättern und fühlt sich ähnlich an wie Leder und lässt sich gut verarbeiten. Miranda will nach und nach die Accessoire-Linie von «MDK» auch in Pinatex anbieten. «Es ist ein nachhaltiges Material und orientiert sich beim Pflanzen und Ernten am Rhythmus der Natur. Wenn das Material einmal ausgeht, muss ich halt warten, bis es wieder geliefert wird.»

«Wir machen sicher kein dickes Serviceportemonnaie.»
«Bei Portemonnaies gibt es verschiedene Vorlieben. Die einen brauchen einen Reissverschluss, andere Fächer für zig Kreditkarten. Im Europaalleee-Workshop werden wir einen Mittelweg finden. Sicher gibt es ein Münzfach, das sich gut verschliessen lässt und Fächer für minimum acht Karten. Aber wir machen kein dickes Serviceportemonnaie», lacht Miranda. Auf die Idee, die Origamitechnik einzusetzen, ist sie über Arbeit an eigenen Themen gekommen. Sie studierte die Buchreihe «Folding Paper» um herauszufinden, wie sie bei ihren Accessoires einfache Faltungen verwenden kann. «Wir werden drei oder vier verschiedene Modelle nach Prototypen falten, zuerst mit dünnem Origami-Papier.» Neben dem Falten sind auch weitere Handarbeiten gefragt, «ein paar Stiche mit Nadel und grobem Wachsfaden.»

Die Tasche als Körperteil.
Miranda verkauft ihre «MDK»-Kollektion in Schweizer Städten, nächstes Jahr kommen Shops in New York, Deutschland und auf Ibiza dazu, ein Showroom in Paris präsentiert «MDK» bereits und ein Agent aus Japan ist an der Marke interessiert. Mirandas persönliches Lieblingsaccessoire ist ein kleines, schwarzes Ledertäschli mit langem Henkel zum Umhängen von der ukrainischen Marke Omtura. «Darin hat alles Platz, was ich brauche. Ich trage es immer. Es ist wie ein Teil meines Körpers geworden.»