Alexandra Koch

Warum man nie hungrig fotografieren sollte.

Erstellt: 23.06.2017
Veröffentlicht in: Events

Wer Wert auf regionale und saisonale Küche legt, kennt wahrscheinlich den Blog Karma Meals: Ein Blog voller überraschender Rezepte, wunderschön inszeniert. Alexandra Koch wird denn auch den Workshop «How to Foodblog» an der Europaallee leiten. Was sie erzählen wird, warum man nie hungrig fotografieren sollte und woher sie die Ideen nimmt, verrät sie im Interview.

Erzähl doch kurz wer du bist?
Ich heisse Alexandra Koch, bin 25 Jahre alt, Foodbloggerin und passionierte Köchin.

Ein passender Name…
Ja, den habe ich mir tatsächlich nicht selbst ausgewählt. Da ich einen Hang zu schlechten Wortspielen habe, hat wohl eine höhere Macht die Ironie des Schicksals walten lassen.

Und was hast du bisher gemacht?
Ich habe vor einem Jahr meinen Bachelor in Produktedesign (Style & Design) an der Zürcher Hochschule der Künste abgeschlossen. Heute arbeite ich für das OpenAir Office, welches unter anderem für das OpenAir St.Gallen zuständig ist und nebenberuflich verfolge ich meine Leidenschaft als Foodbloggerin / Foodstylistin.

War Essen schon immer ein Thema für dich?
Ich kam über verschiedene Wege dazu. Als Teenager hatte ich eine sehr ungesunde Einstellung zum Essen. Der Size Zero Trend wurde zelebriert, Modemagazine priesen Fastenkuren und Bikiniguides an und Heidi suchte Germanys Next Topmodel. Das verunsicherte mich, entsprechend unzufrieden war ich mit meinem Körper. Essen wurde zum Feind, wie für viele junge Mädchen. Irgendwann begriff ich aber, dass nicht wenig, sondern richtig Essen der Schlüssel zum Glück ist. Heute sehe ich das Thema Figur entspannter und verstehe mittlerweile, dass Nahrung Medizin sein sollte – für Körper, Geist und Seele. Das Leben ist zu kurz, um sich so viele Gedanken über den Hüftumfang zu machen.
 
Hatte das Style & Design Studium ebenfalls einen Einfluss?
Auf jeden Fall. Wir setzten uns kritisch mit dem Konsum- und Essverhalten der heutigen Gesellschaft auseinander. Da wurde mir erstmals bewusst, wie wenig wir uns im Alltag mit echtem Essen beschäftigen. Weil wir einfach in einen Laden spazieren können, haben wir wesentliche Dinge rund um unsere Ernährung vergessen. Wo kommen unsere Lebensmittel her? Was stellen sie mit unserem Körper an? Was ist denn nun wirklich gesund? All diese Fragen brannten in mir und liessen mich nicht mehr los. Ich fing an, meine Ernährung umzustellen.  

Wo hast du überhaupt so gut Kochen gelernt?
Da ich nebenbei in der Gastronomie arbeitete, war mir das Zubereiten von Speisen geläufig. Gemüseschnippeln wurde eine Art Meditation für mich.  Die Texturen, Farben, die Geschmäcker der Gerichte und der Lebensmittel zogen mich in den Bann. Was für ein Feuerwerk der Sinne! Jedes Mal, wenn ein Gericht gelingt, ist es ein riesiges Erfolgserlebnis für mich.

Und so entstand dann die Idee für deinen Foodblog?
Da ich ein sehr visueller Mensch bin, gehörte das Fotografieren der Gerichte zum natürlichen Prozess. Freunde fragten nach den Rezepten und so fing ich auch an die Rezepte niederzuschreiben und beschloss, meine Küchenerlebnisse online zu stellen. Nach meinem Studium hatte ich ein paar Monate Zeit, also startete ich im August 2016 mit meinem Blog Karma Meals. So kann ich einerseits meine Rezepte an einem Ort sammeln, wo alle darauf zugreifen können und andererseits auch ein wenig vom Gericht erzählen.

Das sieht man auch auf deinem Blog. Du erzählst jeweils viel über die Gerichte. Was ist dir beim Bloggen sonst noch wichtig?
Authentizität und regelmässige Einträge sind mir am Wichtigsten. Ausserdem will ich, dass alles so ungekünstelt und natürlich wie möglich bleibt, auch bei den Gerichten. Es sollen keine Blumen auf einem Toast zu sehen sein, wenn ich die sowieso nicht essen möchte. Meine Rezepte sind fast immer aus regionalen und saisonalen Lebensmitteln. Nach stundenlangen Dokus und unzähligen Lektüren erscheint mir die natürliche, regionale und saisonale Ernährung einfach am sinnvollsten. Klar esse ich auch mal Avocados oder Süsskartoffeln; die kommen aber nur noch selten auf den Teller. Seit ich ein Gemüse Abo habe, fällt mir dies noch leichter. Also ich würde sagen, dass die unkomplizierte, saisonale Ernährung und ihre Erscheinung mich von anderen Blogs abhebt.

Woher nimmst du eigentlich alle die Rezept-Ideen?
Vor allem zwei Dinge inspirieren mich. Erstens: Die Jahreszeiten! Auch wenn sie langsam ineinander verschwimmen, liebe ich es, jede Saison zu zelebrieren. Es erinnert mich an meine Kindheit und ich freue mich jeden Monat auf die Köstlichkeiten, die frisch vom Feld auf den Teller kommen. Oftmals überlege ich mir schon Monate vorher fieberhaft, was ich alles damit anstellen könnte. Ich träume jetzt schon von Pflaumen und Kürbissen! Wenn ich ein Gericht bzw. ein Rezept kreiere, dann denke ich an den Geschmack, die Textur und die Farbe der Lebensmittel und frage mich, wie ich alles optimal kombinieren könnte.

Und das Zweite?
Die kulturelle Identität und der Stellenwert von Essen fesseln mich ungemein. In meinem Austauschsemester an der UDK in Berlin gestaltete ich mit einer Mitstudentin ein Buch über Integrationsrezepte. Wir besuchten neun Köchinnen und Köche aus verschiedenen Ländern die ausgewandert sind und untersuchten, wie sich ihre Heimatsgerichte und deren Zutaten verändert haben. Das war so unglaublich spannend! Essen bringt uns doch alle an einen Tisch - es verbindet uns und trägt wahnsinnig viel zu unserer Kultur bei. Etwas Sinnlicheres und Interessanteres gibt es für mich nicht! Fremdländische Bräuche und Gerichte bringen mich definitiv auf viele Ideen!

Also dienen Jahreszeiten und kulturelle Identität als Inspirationsquellen?
Genau. Diese zwei Pfeiler habe ich übrigens auch in meine Bachelorarbeit einfliessen lassen. Da kreierte ich eine Produkteserie rund um schweizerisches, saisonales Kimchi. Die koreanische Spezialität Kimchi ist fermentiertes Gemüse und natürliche Fermentation setzt Zeit und Geduld voraus. Und was steht mehr für die Küche der Jahreszeiten wie die Gemüse, das frisch verarbeitet durch einen zeitlichen Prozess monatelang haltbar gemacht werden kann?

Und schaust du auch was andere Foodblogger so machen? Welches sind deine drei liebsten Foodblogs?
What Should I Eat For Breakfast Today - Martha ist unglaublich sympathisch und talentiert. Dass sie Polin ist (meine Mutter ist auch Polin), verbindet dann auch irgendwie. Vor allem, wenn sie polnische Rezepte postet!

Krautkopf - Das Berliner Paar nimmt sein Publikum auf Reisen, Ausflüge in den Wald oder auf's Land und zaubert nebenbei wahnsinnig kreative und wunderschöne saisonale, vegetarische Rezepte auf den Tisch. Stets bodenständig und immer ein Schritt voraus - ich kann ihr Kochbuch übrigens wärmstens empfehlen!

Adventures in Cooking - Die Bildsprache von Eva Kosmas Flores ist der Wahnsinn. Sie lebt den Traum! In einem kleinen Häuschen mit Bienen und Hühnern in Portland fotografiert sie wunderschöne Landküche, organisiert traumhafte Dinner und bringt mich jedes Mal zum Schwelgen. Wie gerne wäre ich ihre Nachbarin!

Was gibst du neuen Bloggern für Ratschläge?  
NIE mit hungrigem Magen fotografieren.

Ich habe den Eindruck, dass es hier zu eine Geschichte gibt. Erzähl:
Also erstens, ist man nicht richtig konzentriert und pfuscht mehr. Wenn ich hungrig bin, werde ich nervös und hektisch. So kam es auch schon zu einer Reihe von kleineren Unfällen. Jetzt achte ich darauf immer mit vollem Magen zu fotografieren. Naja, und kleine Verletzungen und Sauereien gehören wohl zum Berufsrisiko.

Was wirst du uns am Foodblog Event verraten?
Das Geheimnis des perfekten Lichts.

Wir sind gespannt.